Rundschreiben November 2020

HEUTE SAGT MAN MODERN WHISTLEBLOWER, FRÜHER WURDE DIESE PERSON ALS BLOCKWART BEZEICHNET

Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 11/2020:

Alle Steuerzahler
Bonuszahlungen gesetzlicher Krankenkassen: Auswirkungen auf den Sonderausgabenabzug Prozesskosten wegen Baumängeln am Eigenheim keine außergewöhnlichen Belastungen Broschüre mit Steuertipps für Existenzgründer
Kind wohnt mit Lebensgefährten zusammen: Keine Kürzung des Unterhaltshöchstbetrags Anmerkung zur Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit

Vermieter
Abbruchkosten: Wie ermittelt sich der Werbungskostenabzug?

Freiberufler und Gewerbetreibende
Umstellung elektronischer Kassen: Bundesfinanzministerium sorgt für Unsicherheit Neue Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben (Sachentnahmen) 2020

Gesellschafter und Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften
Der Jahresabschluss 2019 ist bis Ende 2020 offenzulegen

Umsatzsteuerzahler
Vorsteuerabzug: Verwaltung positioniert sich zur rückwirkenden Rechnungsberichtigung Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: Vergabe setzt schriftlichen Antrag voraus

Arbeitgeber
Freie Unterkunft und Verpflegung: Voraussichtliche Sachbezugswerte 2021 Elektronische Lohnsteuerbescheinigung: Muster für 2021 veröffentlicht

Arbeitnehmer
Firmenwagen mit Eigenanteil: Kein Werbungskostenabzug für Familienheimfahrten

Abschließende Hinweise
Baukindergeld: Förderzeitraum soll bis 31.3.2021 verlängert werden Steuern und Beiträge Sozialversicherung: Fälligkeitstermine in 11/2020

Alle Steuerzahler
Bonuszahlungen gesetzlicher Krankenkassen: Auswirkungen auf den Sonderausga- benabzug
Die von einer gesetzlichen Krankenkasse auf der Grundlage von § 65a Sozialgesetzbuch (SGB) V gewährte Geldprämie (Bonus) für gesundheitsbewusstes Verhalten stellt auch bei pau- schaler Ausgestaltung keine die Sonderausgaben mindernde Beitragserstattung dar. Dies gilt nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs zumindest dann, wenn durch den Bonus ein konkret der
Gesundheitsmaßnahme zuzuordnender finanzieller Aufwand des Steuerpflichtigen ganz oder teil- weise ausgeglichen wird.

Sachverhalt
Ein gesetzlich krankenversicherter Steuerpflichtiger hatte von seiner Krankenkasse Boni für „gesund- heitsbewusstes Verhalten“ i. H. von 230 EUR erhalten (u. a. für einen Gesundheits-Check-up, eine Zahnvorsorgeuntersuchung, die Mitgliedschaft in einem Sportverein sowie für den Nachweis eines gesunden Körpergewichts).
Das Finanzamt behandelte die Boni wegen der rein pauschalen Zahlung als Erstattung von Kranken- versicherungsbeiträgen und minderte den Sonderausgabenabzug. Dagegen wertete das Finanzge-
richt Sachsen die Zahlungen als Leistungen der Krankenkasse, die weder die Sonderausgaben beein- flussen, noch als sonstige Einkünfte eine steuerliche Belastung auslösen.
Unter Fortentwicklung seiner bisherigen Rechtsprechung zur Behandlung von Bonuszahlun- gen gemäß § 65a SGB V nimmt der Bundesfinanzhof eine differenzierte Betrachtung vor:
Auch pauschale Boni mindern nicht die Sonderausgaben und sind zudem nicht als steuer- lich relevante Leistung der Krankenkasse anzusehen. Voraussetzung ist aber, dass die Maßnahme beim Steuerpflichtigen Kosten auslöst und die realitätsgerecht ausgestaltete Pauschale geeignet ist, den eigenen Aufwand ganz oder teilweise auszugleichen.
Der eigene Aufwand fehlt z. B. bei Schutzimpfungen oder der Zahnvorsorge, da diese Maß- nahmen bereits vom Basiskrankenversicherungsschutz umfasst sind. Hier liegt eine den Sonderaus- gabenabzug mindernde Beitragserstattung der Krankenkasse vor. Gleiches gilt für Boni, die für den Nachweis eines aufwandsunabhängigen Verhaltens oder Unterlassens (z. B. gesundes Körperge- wicht, Nichtraucherstatus) gezahlt werden.

Prozesskosten wegen Baumängeln am Eigenheim keine außergewöhnlichen Belastungen
Prozesskosten, die wegen Baumängeln bei der Errichtung eines selbst genutzten Eigen- heims entstanden sind, sind nicht als außergewöhnliche Belastungen steuerlich abzugsfähig. We- der der Erwerb eines Einfamilienhauses noch Baumängel sind nach einer Entscheidung des Finanz- gerichts Rheinland-Pfalz in diesem Sinne unüblich.
Hintergrund: Aufwendungen für die Führung eines Rechtsstreits (Prozesskosten) sind nach
§ 33 Abs. 2 S. 4 Einkommensteuergesetz (EStG) vom Abzug als außergewöhnliche Belastungen ausgeschlossen – es sei denn, es handelt sich um Aufwendungen ohne die der Steuerpflichtige Gefahr liefe, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bedürfnisse in dem üblichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu können.
Sachverhalt
Eheleute beauftragten ein Bauunternehmen mit der Errichtung eines Zweifamilienhauses mit Unterkel- lerung auf einem in ihrem Eigentum stehenden Grundstück. Wegen gravierender Planungs- und Aus- führungsfehler gingen die Steuerpflichtigen gegen das Unternehmen gerichtlich vor und zahlten im Streitjahr Gerichts-/Rechtsanwaltskosten von rund 13.700 EUR. In ihrer Steuererklärung machten sie die Prozesskosten als außergewöhnliche Belastungen geltend und wiesen auf ihre extrem ange-
spannte finanzielle Situation hin – letztlich aber ohne Erfolg.
Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz stellte zwar fest, dass die mit den Gerichtsverfahren ver- folgten Ansprüche für die Steuerpflichtigen von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung waren. Jedoch bestand für sie zu keiner Zeit die Gefahr, die Existenzgrundlage zu verlieren oder die lebens- notwendigen Bedürfnisse nicht mehr befriedigen zu können. Das Baugrundstück war nicht lebens- notwendig und hätte notfalls verkauft werden können.
Außerdem waren die Aufwendungen nicht außergewöhnlich. Denn der Erwerb eines Einfa- milienhauses ist steuerlich ein Vorgang der normalen Lebensführung.
Beachten Sie: Auch Baumängel sind nicht unüblich, sodass Prozesskosten wegen solcher Mängel grundsätzlich nicht als außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden können.

Broschüre mit Steuertipps für Existenzgründer
Das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen hat seine Broschüre mit Steuertipps für Exis- tenzgründer aktualisiert (Stand: Februar 2020).
Neben wichtigen steuerlichen Aspekten bei der Existenzgründung enthält die rund 70 Seiten umfassende Broschüre des Finanzministeriums Nordrhein-Westfalen darüber hinaus auch Informati- onen zum Gründungszuschuss und zeigt, wie eine ordnungsgemäße (umsatzsteuerliche) Rech- nung aussehen muss. Die Broschüre kann unter www.iww.de/s3054 heruntergeladen werden.

Kind wohnt mit Lebensgefährten zusammen: Keine Kürzung des Unterhaltshöchstbetrags
Leistungen von Eltern für den Unterhalt ihres in Ausbildung befindlichen Kindes, für das kein Anspruch auf Kindergeld (mehr) besteht, sind im Rahmen der gesetzlichen Höchstbeträge als außer-
gewöhnliche Belastungen steuermindernd zu berücksichtigen. Lebt das Kind mit einem Lebensge- fährten, der über ausreichendes Einkommen verfügt, in einem gemeinsamen Haushalt, ist der Höchstbetrag nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs nicht zu kürzen. |
Hintergrund: Der Unterhaltshöchstbetrag für 2020 beträgt 9.408 EUR zuzüglich übernom- mener Basisbeiträge der Kranken- und Pflegeversicherung.
Anzurechnen sind jedoch die eigenen Einkünfte oder Bezüge der unterhaltenen Person, soweit diese 624 EUR jährlich übersteigen.
Zudem darf die unterhaltene Person nur ein geringes Vermögen besitzen. Nach Auffassung der Finanzverwaltung ist ein Vermögen von mehr als 15.500 EUR grundsätzlich schädlich (ein ange- messenes Hausgrundstück bleibt jedoch außen vor).
Sachverhalt
Eltern machten Unterhaltsaufwendungen für ihre studierende Tochter (T), die mit ihrem Lebensgefähr-
ten (LG) in einer gemeinsamen Wohnung lebte, steuermindernd geltend. Das Finanzamt erkannte diese jedoch nur zur Hälfte an, da auch der LG wegen der bestehenden Haushaltsgemeinschaft zum Unterhalt der T beigetragen habe – allerdings zu Unrecht, wie das Finanzgericht Sachsen und letztlich
auch der Bundesfinanzhof entschieden.
Eine Aufteilung des Unterhaltshöchstbetrags auf mehrere Personen kommt nur in Be- tracht, wenn jeder von ihnen gegenüber dem Unterhaltsempfänger gesetzlich unterhaltsverpflichtet ist oder der Unterhaltsempfänger einer unterhaltsberechtigten Person gleichgestellt ist. Dadurch soll si- chergestellt werden, dass bei einer Unterhaltsgewährung durch mehrere Steuerpflichtige kein höhe- rer Betrag anerkannt wird als bei der Gewährung durch eine Einzelperson.
Im Streitfall lagen die Voraussetzungen für eine Aufteilung des Höchstbetrags nicht vor. Dabei stellte der Bundesfinanzhof u. a. darauf ab, dass zwischen den Partnern keine sozialrechtliche Be- darfsgemeinschaft bestand, die eine – der gesetzlichen Unterhaltspflicht gleichzusetzende – konkre- te Beistandsverpflichtung des LG für T hätte begründen können. Denn T war wegen ihrer eigenen Einnahmen und den Unterhaltsleistungen ihrer Eltern nicht hilfsbedürftig.
Es lagen auch keine Unterhaltsleistungen des LG vor, die als den Unterhaltshöchstbetrag mindernde eigene Bezüge der T hätten angesetzt werden können. Denn LG hat an T keine Unter- haltszahlungen geleistet. Vielmehr haben LG und T die Kosten des gemeinsamen Haushalts je- weils zur Hälfte getragen. T hatte die Miete für die gemeinsame Wohnung aus den Unterhaltsleistun- gen ihrer Eltern bestritten. LG hatte einen entsprechenden Beitrag für die darüber hinausgehenden Kosten des gemeinsamen Haushalts aufgewandt.
Beachten Sie: Unerheblich ist insoweit, dass LG die gemeinsame Wohnung angemietet hatte und damit alleiniger Schuldner des Vermieters war.
Verfügen unverheiratete Lebensgefährten, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, jeweils über auskömmliche finanzielle Mittel zur Deckung des eigenen Lebensbedarfs, ist regelmäßig da- von auszugehen, dass sie sich einander keine Leistungen zum Lebensunterhalt gewähren. Vielmehr kommt jeder für den eigenen Lebensunterhalt (durch die Übernahme der hälftigen Haushaltskosten) auf. Woraus die „eigenen“ finanziellen Mittel stammen, insbesondere ob es sich um (steuerbare) Einkünfte, Bezüge oder Unterhaltsleistungen Dritter handelt, ist insoweit unerheblich.

Anmerkung zur Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit
Im Jahr 2020 zahlt ein Verheirateter Steuerpflichtiger mit einem zu versteuernden Einkommen von 40.000 € eine Einkommenssteuer mit 4.692 €, ein Ehepaar, das ein zu versteuerndes Einkommen mit 200.000 € hat (also das Fünffache) zahlt eine Einkommensteuer in Höhe von 66.072 €, was dem 14,08-fachen entspricht. Da regt sich unsere „Linke“ auf, dass endlich einmal die Reichen nach der Leistungsfähigkeit besteuert werden sollten.
Geht es noch besser???

Vermieter
Abbruchkosten: Wie ermittelt sich der Werbungskostenabzug?
Wie sind die Abbruchkosten und der Restwert eines Gebäudes zu beurteilen, das zuvor zeitweise vollständig vermietet und zeitweise teilweise selbst genutzt wurde? Das Finanzgericht Münster vertritt hier die Auffassung, dass eine Aufteilung nach dem räumlichen und zeitlichen Nut- zungsumfang erfolgen muss. Zur Rechtsfortbildung hat das Finanzgericht die Revision zum Bundes- finanzhof zugelassen.
Hintergrund: Wird ein Gebäude ganz oder teilweise abgerissen und durch ein neues Ge- bäude ersetzt, kann es sich bei den Abbruchkosten und dem Restbuchwert des alten Gebäudes um sofort abziehbare oder um aktivierungspflichtige Aufwendungen handeln. Diesbezüglich unter- scheidet die Rechtsprechung im Ausgangspunkt danach, ob das Gebäude bereits mit Abbruchabsicht erworben worden ist.
Für den vom Finanzgericht Münster entschiedenen Fall (Erwerb ohne Abbruchabsicht) sind neben den Abbruchkosten auch die Restwerte des Gebäudes als Werbungskosten abzugsfähig – und
zwar auch dann, wenn das abgerissene Gebäude objektiv technisch oder wirtschaftlich noch nicht verbraucht ist.
Nach Ansicht des Finanzgerichts ist jedoch eine Aufteilung (sowohl zeitanteilig als auch nach der Art der Nutzung der Flächen) vorzunehmen. Im Streitfall zog das Finanzgericht die gesamte Nut- zungsdauer des Objekts seit der Anschaffung heran. Von diesen 57 Monaten entfielen 31 Monate auf eine vollständige Vermietung und 26 Monate auf eine flächenmäßig anteilige Vermietung zu 78,4
%. Dies führte zu einer privaten Veranlassung des Abbruchs von 9,8 %.
Beachten Sie: Nach den allgemeinen Grundsätzen zum Veranlassungsprinzip ist, so das Finanzge- richt Münster, eine private Veranlassung von unter 10 % steuerlich unerheblich. Somit waren die Kosten in vollem Umfang abzugsfähig.

Freiberufler und Gewerbetreibende
Umstellung elektronischer Kassen: Bundesfinanzministerium sorgt für Unsicherheit
Bestimmte elektronische Aufzeichnungssysteme (vor allem elektronische Kassensysteme und Registrierkassen) müssen ab dem 1.10.2020 über eine zertifizierte technische Sicherheitseinrich- tung (TSE) verfügen. Denn am 30.9.2020 endete die Nichtbeanstandungsregelung des Bundesfi- nanzministeriums. Allerdings haben 15 Bundesländer (Ausnahme Bremen) eigene Regelungen (vgl. unter www.iww.de/s3929) geschaffen, um die Frist bis zum 31.3.2021 zu verlängern. Gefordert wird
u. a., dass das Unternehmen bis zum 30.9.2020 (in einigen Bundesländern bis zum 31.8.2020) die Umrüstung bzw. den Einbau einer TSE bei einem Kassenhersteller oder Dienstleister beauftragt hat. Das scheint dem Bundesfinanzministerium aber nicht zu passen.
In einem neuen Schreiben stellt das Bundesfinanzministerium zunächst heraus, dass die Nichtbeanstandungsregelung nicht über den 30.9.2020 hinaus verlängert wird.
Zudem weist das Bundesfinanzministerium auf die Geltung des Anwendungserlasses zu § 148 der Abgabenordnung (AO) „Bewilligung von Erleichterungen“ hin: „Die Bewilligung von Er- leichterungen kann sich nur auf steuerrechtliche Buchführungs-, Aufzeichnungs- und Aufbewahrungs- pflichten erstrecken. § 148 AO lässt eine dauerhafte Befreiung von diesen Pflichten nicht zu. Persön- liche Gründe, wie Alter und Krankheit des Steuerpflichtigen, rechtfertigen regelmäßig keine Erleichte- rungen. Eine Bewilligung soll nur ausgesprochen werden, wenn der Steuerpflichtige sie beantragt.“
Das Schreiben endet mit dem Hinweis, dass von den fachlichen Weisungen abweichende Er- lasse der Abstimmung zwischen dem Bundesministerium der Finanzen und den obersten Finanzbe- hörden der Länder bedürfen.
Das Schreiben wurde vielfach kritisiert, da es, so die Ansicht des Steuerberaterverbands Thü- ringen, für Rechtsunsicherheit sorgt. Inzwischen haben einige Bundesländer (z. B. Nordrhein- Westfalen) in eigenen Erlassen betont, dass ihre Verfügungen Bestand haben.

Neue Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben (Sachentnahmen) 2020
Durch das (Erste) Corona-Steuerhilfegesetz ist für nach dem 30.6.2020 und vor dem 1.7.2021 erbrachte Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen (mit Ausnahme von Getränken) der ermä- ßigte Umsatzsteuersatz anzuwenden. Und das wirkt sich auch auf die für das Jahr 2020 geltenden Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben (Sachentnahmen) aus. Das Bundesfinanzministerium hat nun eine Unterteilung in zwei Halbjahre vorgenommen.
Hintergrund: Die Pauschbeträge bieten dem Steuerpflichtigen die Möglichkeit, Warenent- nahmen monatlich pauschal zu verbuchen. Sie entbinden ihn damit von der Aufzeichnung vieler Einzelentnahmen.
Zu- oder Abschläge zur Anpassung an die individuellen Verhältnisse sind unzulässig. Wur- de der Betrieb jedoch wegen einer landesrechtlichen Verordnung, einer kommunalen Allgemeinverfü- gung oder einer behördlichen Anweisung vollständig wegen der Corona-Pandemie geschlossen, kann ein zeitanteiliger Ansatz der Pauschbeträge erfolgen.

Gesellschafter und Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften
Der Jahresabschluss 2019 ist bis Ende 2020 offenzulegen
Offenlegungspflichtige Gesellschaften (insbesondere AG, GmbH und GmbH & Co. KG) müs- sen ihre Jahresabschlüsse spätestens zwölf Monate nach Ablauf des betreffenden Geschäftsjahres beim Bundesanzeiger elektronisch einreichen. Ist das Geschäftsjahr das Kalenderjahr, muss der Jahresabschluss für 2019 somit bis zum 31.12.2020 eingereicht werden.
Beachten Sie: Auch Gesellschaften, die aktuell keine Geschäftstätigkeit entfalten, sowie Gesell- schaften in Insolvenz oder Liquidation müssen offenlegen.
Kommt das Unternehmen der Pflicht zur Offenlegung nicht rechtzeitig oder nicht vollständig nach, leitet das Bundesamt für Justiz ein Ordnungsgeldverfahren ein. Das Unternehmen wird aufge- fordert, innerhalb einer sechswöchigen Nachfrist den gesetzlichen Offenlegungspflichten nachzu- kommen. Gleichzeitig droht das Bundesamt ein Ordnungsgeld an (regelmäßig in Höhe von 2.500 EUR). Sofern das Unternehmen der Aufforderung nicht entspricht, wird das Ordnungsgeld festgesetzt.
Beachten Sie: Ordnungsgeldandrohungen und -festsetzungen können so lange wiederholt werden, bis die Veröffentlichung erfolgt ist. Die Ordnungsgelder werden dabei schrittweise erhöht.

Mit der Androhung werden den Beteiligten zugleich die Verfahrenskosten auferlegt. Diese entfallen nicht dadurch, dass der Offenlegungspflicht innerhalb der gesetzten Nachfrist nachgekom- men wird.

Umsatzsteuerzahler
Vorsteuerabzug: Verwaltung positioniert sich zur rückwirkenden Rechnungsberichti- gung
Wird der Vorsteuerabzug wegen einer unvollständigen Rechnung in einer Betriebsprüfung versagt, kann dies zu hohen Nachzahlungszinsen führen. Unter gewissen Voraussetzungen haben hier sowohl der Europäische Gerichtshof als auch der Bundesfinanzhof Abhilfe geschafft, indem sie eine rückwirkende Rechnungsberichtigung ermöglicht haben. In der Praxis wartete man seit Jah- ren auf eine Positionierung durch die Finanzverwaltung, die nun erfolgt ist. Unter Bezugnahme auf die jüngere Rechtsprechung stellt das Bundesfinanzministerium in einem 13 Seiten starken Schreiben wichtige Punkte heraus.
Vorsteuerabzug ohne ordnungsgemäße Rechnung
Ein Vorsteuerabzug setzt voraus, dass der Unternehmer eine nach §§ 14, 14a Umsatzsteu- ergesetz (UStG) ausgestellte Rechnung besitzt. Das Bundesfinanzministerium stellt in seinem Schrei- ben an mehreren Stellen heraus, dass ein Vorsteuerabzug auch weiterhin den Besitz einer Rech- nung voraussetzt.
Erfüllt eine Rechnung nicht alle formellen Voraussetzungen und wurde sie auch nicht berich- tigt, kann ein Vorsteuerabzug aber ausnahmsweise zulässig sein, wenn die Finanzverwaltung über sämtliche Angaben verfügt, um die materiellen Voraussetzungen zu überprüfen.
Der Unternehmer kann durch objektive Nachweise belegen, dass ihm andere Unternehmer tatsächlich Gegenstände oder Dienstleistungen geliefert bzw. erbracht haben, für die er die Umsatz- steuer entrichtet hat.

Berichtigung oder Stornierung und Neuerteilung
Gelingt dem Unternehmer kein objektiver Nachweis, kann er auch eine berichtigte Rech- nung vorlegen. Eine Berichtigung kann auch dadurch erfolgen, dass der Rechnungsaussteller die ursprüngliche Rechnung storniert und eine neue Rechnung ausstellt.
Beachten Sie: Eine Rechnungsberichtigung erfordert eine spezifische und eindeutige Bezugnahme auf die ursprüngliche Rechnung.

Ein Dokument ist nur dann eine rückwirkend berichtigungsfähige Rechnung, wenn es gewisse Min- destangaben enthält – und zwar
zum Rechnungsaussteller,
zum Leistungsempfänger,
zur Leistungsbeschreibung,
zum Entgelt und
zur gesondert ausgewiesenen Umsatzsteuer.
Hierfür reicht es aus, dass die Angaben nicht in so hohem Maße unbestimmt, unvollständig oder offensichtlich unzutreffend sind, dass sie fehlenden Angaben gleichstehen. Beispielsweise muss die Leistungsbeschreibung so konkret sein, dass die erbrachte Leistung und ein Bezug zum Unter- nehmen des Leistungsempfängers erkennbar sind. Eine allgemein gehaltene Angabe wie z. B. „Pro- duktverkäufe“, die es nicht ermöglicht, die abgerechnete Leistung eindeutig und leicht nachprüfbar festzustellen, reicht nicht.
Beachten Sie: Sind die Anforderungen an die Mindeststandards erfüllt, entfaltet die Rechnungs- berichtigung immer Rückwirkung.

Wird eine Rechnung mit Rückwirkung berichtigt, ist das Recht auf Vorsteuerabzug grundsätz- lich für den Besteuerungszeitraum auszuüben, in dem die Leistung bezogen wurde und die ur- sprüngliche Rechnung vorlag.
Abweichend hiervon kann bei einem zu niedrigen Steuerausweis in der ursprünglichen Rechnung das Recht auf Vorsteuerabzug in einer bestimmten Höhe erst dann ausgeübt werden,
wenn der Leistungsempfänger im Besitz einer Rechnung ist, die einen Steuerbetrag in dieser Höhe ausweist.
Beachten Sie: Eine Rechnungsberichtigung ist kein rückwirkendes Ereignis nach § 175 Abs. 1 Nr. 2 Abgabenordnung. Somit ist eine steuerlich wirksame Berichtigung nur so lange möglich, wie die ursprüngliche Veranlagung verfahrensrechtlich noch änderbar ist.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: Vergabe setzt schriftlichen Antrag voraus
Unternehmer benötigen eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) für den Wa- ren- oder Dienstleistungsverkehr innerhalb der EU. Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) hat aktuell mitgeteilt, dass vermehrt Anträge auf Vergabe einer USt-IdNr. bzw. Mitteilung der dazu ge- speicherten Daten eingehen. Daher weist das BZSt darauf hin, dass die Vergabe der USt-IdNr. aus- schließlich auf schriftlichen Antrag erfolgt. Dies gilt auch für allgemeine Fragen zur Vergabe bzw. zu allen Fragen hinsichtlich der gespeicherten Daten oder der Eintragung von Euroadressen.
Der Antrag muss nachfolgende Informationen enthalten:
Name/Anschrift des Antragstellers,
Finanzamt, bei dem das Unternehmen geführt wird,
Steuernummer, unter der das Unternehmen geführt wird.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Bearbeitung des Antrags ist, dass der Antragsteller als Unter- nehmer bei seinem Finanzamt umsatzsteuerlich geführt wird und dem BZSt diese Daten bereits übermittelt wurden.

Arbeitgeber
Freie Unterkunft und Verpflegung: Voraussichtliche Sachbezugswerte 2021
Die Sachbezugswerte für freie oder verbilligte Verpflegung und Unterkunft werden jähr- lich an die Entwicklung der Verbraucherpreise für diese Leistungen angepasst. Der nun vorliegende Entwurf mit den Sachbezugswerten für 2021 bedarf noch der Zustimmung des Bundesrats. Mit Änderungen ist aber für gewöhnlich nicht mehr zu rechnen.
In 2021 soll der Sachbezugswert für freie Unterkunft 237 EUR monatlich (in 2020 = 235 EUR) betragen. Der monatliche Sachbezugswert für Verpflegung soll um 5 EUR auf dann 263 EUR steigen.
Aus dem monatlichen Sachbezugswert für Verpflegung abgeleitet, ergeben sich die nachfol- genden Sachbezugswerte für die jeweiligen Mahlzeiten:
Sachbezugswerte 2021 (in Klammern für 2020)
Mahlzeit
monatlich
kalendertäglich
Frühstück
55 EUR (54 EUR)
1,83 EUR (1,80 EUR)
Mittag- bzw. Abendessen
104 EUR (102 EUR)
3,47 EUR (3,40 EUR)

Elektronische Lohnsteuerbescheinigung: Muster für 2021 veröffentlicht
Das Bundesfinanzministerium hat das Muster für den Ausdruck der elektronischen Lohn- steuerbescheinigung für das Kalenderjahr 2021 veröffentlicht. Der Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung kann vom amtlichen Muster abweichen, wenn er sämtliche Angaben in gleicher Reihenfolge enthält und in Format und Aufbau dem bekannt gemachten Muster entspricht.

Arbeitnehmer
Firmenwagen mit Eigenanteil: Kein Werbungskostenabzug für Familienheimfahrten
Ein Abzug von Aufwendungen für wöchentliche Familienheimfahrten bei einer doppelten Haushaltsführung ist auch dann ausgeschlossen, wenn dem Arbeitnehmer für die Überlassung eines Firmenwagens tatsächlich Kosten entstehen (im Streitfall: pauschale monatliche Zuzahlung zzgl. einer kilometerabhängigen Tankkostenzuzahlung). Da gegen diese Entscheidung des Finanzgerichts Nie- dersachsen die Revision anhängig ist, muss nun der Bundesfinanzhof entscheiden.
Der Bundesfinanzhof hat bereits entschieden, dass ein Werbungskostenabzug bei unentgelt- licher Überlassung eines Firmenwagens mangels eigenen Aufwands ausgeschlossen ist. Das Fi- nanzgericht hat nun für die (teil-)entgeltliche Überlassung nachgelegt. Auch hier verbleibt es bei dem Werbungskostenabzugsverbot gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 8 Einkommensteuergesetz.
Dabei orientierte sich das Finanzgericht u. a. am Wortlaut dieser Vorschrift: Der Gesetzgeber unterscheidet nicht zwischen unentgeltlicher und teilentgeltlicher Überlassung, sodass unter die Vorschrift danach alle Arten der Überlassung fallen.

Abschließende Hinweise
Baukindergeld: Förderzeitraum soll bis 31.3.2021 verlängert werden
Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sieht vor, den Förderzeitraum für die Gewährung des Baukindergelds um drei Monate zu verlängern. Hintergrund der angedachten Ver-
längerung ist die Corona-Pandemie, weshalb viele Antragsteller die Fristen nicht einhalten können. Das heißt: Neubauten sind begünstigt, wenn die Baugenehmigung zwischen dem 1.1.2018 und dem 31.3.2021 (bisher: 31.12.2020) erteilt wurde. Beim Erwerb von Neu- oder Bestandsbauten muss der notarielle Kaufvertrag zwischen dem 1.1.2018 und dem 31.3.2021 (bisher: 31.12.2020) unter- zeichnet worden sein. Weitere Informationen zum Baukindergeld erhalten Sie unter www.iww.de/s4121.

Steuern und Beiträge Sozialversicherung: Fälligkeitstermine in 11/2020
Im Monat November 2020 sollten Sie insbesondere folgende Fälligkeitstermine beachten:
Steuertermine (Fälligkeit):
Umsatzsteuerzahler (Monatszahler): 10.11.2020
Lohnsteuerzahler (Monatszahler): 10.11.2020
Gewerbesteuerzahler: 16.11.2020
Grundsteuerzahler: 16.11.2020
Bei einer Scheckzahlung muss der Scheck dem Finanzamt spätestens drei Tage vor dem Fälligkeits- termin vorliegen.
Beachten Sie: Bei der Grundsteuer kann die Gemeinde abweichend von dem vierteljährlichen Zah- lungsgrundsatz verlangen, dass Beträge bis 15 EUR auf einmal grundsätzlich am 15.8. und Beträge bis einschließlich 30 EUR je zur Hälfte am 15.2. und am 15.8. zu zahlen sind. Auf Antrag kann die Grundsteuer auch am 1.7. in einem Jahresbetrag entrichtet werden. Der Antrag ist bis zum 30.9. des vorangehenden Jahres zu stellen.
Beachten Sie: Die für alle Steuern geltende dreitägige Zahlungsschonfrist bei einer verspäteten Zah- lung durch Überweisung endet am 13.11.2020 für die Umsatz- und Lohnsteuerzahlung und am 19.11.2020 für die Gewerbe- und Grundsteuerzahlung. Es wird an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass diese Zahlungsschonfrist ausdrücklich nicht für Zahlung per Scheck gilt.

Beiträge Sozialversicherung (Fälligkeit):
Sozialversicherungsbeiträge sind spätestens am drittletzten Bankarbeitstag des laufenden Monats fällig, für den Beitragsmonat November 2020 am 26.11.2020.