Freiberufler und Gewerbetreibende: Verkauf auf dem Wochenmarkt: Das Kassenbuch

Verkauf auf dem Wochenmarkt: Das Kassenbuch

Ein Praxisfall: Hans Otto verkauft auf diversen Wochen-und Flohmärkten Textilien. Seinen Gewinn ermittelt er durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Ein Kassenbuch über seine täglichen Bareinnahmen führt er ebenso wenig wie Kassenberichte. Auch über Preislisten verfügt er nicht. Er setzt die Preise für seine Produkte jeweils tagesaktuell unter Berücksichtigung der Preise der Konkurrenz fest. Der Steuerberater erfasst jeweils zum Monatsende die Bareinnahmen als Sammelbuchungen. Bei einer Betriebsprüfung bemängelt der Prüfer die fehlende tägliche Kassenaufzeichnung. Er schätzt den Gewinn aus Gewerbebetrieb. Hierzu besucht er den Wochenmarkt, schaut sich die Preise der dortigen Textilhändler an und ermittelt eine Spanne möglicher Verkaufspreise. Deren Mittelwert multipliziert er mit dem Wareneinsatz und gelangt so zum Bruttoumsatz. Darf er das?

Zum Hintergrund: Nach § 145 Abs. 1 AO muss die Buchführung so beschaffen sein, dass sie einem Sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle vermitteln kann. Betriebseinnahmen sind grundsätzlich einzeln aufzuzeichnen. Allerdings besteht die Pflicht zur Einzelaufzeichnung nicht für Einzelhändler, die Waren gegen Barzahlung an unbekannte Kunden über den Ladentisch verkaufen. Insbesondere für Marktverkäufer ohne elektronische Kasse wäre der Aufwand zu hoch. Auch besteht bei einer Ein­nahmen-Überschuss-Rechnung eigentlich keine Pflicht zum Führen eines Kassenbuchs, denn es gibt keine Bestandskonten und schilt auch kein Kassenkonto. „Trotzdem müssen Geschäftsvorfälle fortlaufend, vollständig und richtig verzeichnet werden", urteilt aktuell das FG Hamburg. Und weiter:

„Insbesondere bei bargeldintensiven Betrieben, bei denen die Bareinnahmen mittels einer offenen Ladenkasse erfasst werden, sind dafür detaillierte Aufzeichnungen ähnlich einem Kassenkonto oder einem Kassenbericht notwendig." Wie detailliert, sagen die Richter auch: So dürften die Kasseneinnahmen zwar täglich nur in einer Summe in ein Kassenbuch oder Ähnliches eingetragen werden. „Der Steuerpflichtige muss dann jedoch das Zustandekommen der Summe nachweisen können." Und hierfür verlangen die Richter die Aufbewahrung angefallener Kassenstreifen, Kassenzettel, Bons oder vergleichbarer Aufzeichnungen. Zudem ist der tägliche Bargeldendbestand auszuzählen und um Entnahmen sowie Einlagen zu korrigieren. Nicht erforderlich ist dagegen ein Zählprotokoll, in dem die Stückzahl der jeweiligen Geldscheine und -münzen aufgelistet wird.

Das bedeutet für unseren Praxisfall: Händler Hans Otto hat weder seine Bareinnahmen aufgezeichnet noch die täglichen Einnahmen und Ausgaben erfasst. Da er ausschließlich Bargeschäfte tätigt, ist eine Schätzung des Gewinns wohl gerechtfertigt. Und für diese Schätzung gilt: Hans Otto hat den Finanzrichtern zufolge „keinen Anspruch darauf, dass Schätzungen zwingend mittels eines äußeren Betriebsvergleichs auf Grundlage der so genannten Richtsatzsammlung durchgeführt und die dort angegebenen Richtsätze angewandt werden." Sie halten die Schätzmethode des Betriebsprüfers sogar für genauer. Umgekehrt haben Sie als Unternehmer aber ebenfalls Anspruch darauf, die Richtsätze zu widerlegen. Machen Sie dies sachgerecht, muss das Finanzamt zustimmen.