Freiberufler und Gewerbetreibende: Bargeldkasse: "Vergessene Einnahmenbuchungen"

Bargeldkasse: „vergessene Einnahmenbuchungen“

Wenn Ihre Kunden bei Ihnen bar bezahlen können, müssen Sie eine Bargeldkasse führen. Ab 1.1.2017 gibt es hierfür nur noch 2 zulässige Verfahren: die offene Ladenkasse und elektronische Systeme. In beiden Fällen ist es notwendig, dass Sie Ihren Bargeldbestand bei Geschäftsschluss dokumentieren. Fehlt es hieran, ist Ihre gesamte Buchführung so fehlerhaft, dass die Finanzverwaltung berechtigt ist, Ihren Umsatz und damit Ihren Gewinn zu erhöhen.

Darüber hinaus hat die Finanzverwaltung mit § 146b Abgabenordnung ab dem 1.1.2018 eine eigenständige Möglichkeit, Ihre Kasse im Rahmen einer Kassennachschau zu prüfen. Fehler und Differenzen gehen dann zu Ihren Lasten.

Bereits seit Anfang des Jahres 2017 sind grundsätzlich nur noch elektronische Kassensysteme zulässig, die jeden einzelnen Umsatz und auch jede Bedienung Ihrer Kasse registrieren. Hinzu kommt zukünftig auch noch eine Belegausgabepflicht, die ab 2020 gelten wird. Sie müssen dann Ihre Kunden fragen, ob sie einen Beleg über die Barzahlung haben möchten. Im Gegenzug besteht aber keine Belegmitnahmepflicht, wie sie in Italien, z. B. bei Imbissbetrieben oder Eisdielen existiert. Hier ist schon so mancher Tourist in die Steuerfalle gelaufen und hat Bekanntschaft mit der Guardia di Finanza gemacht. — So weit sind wir in Deutschland allerdings nicht.

Sie können aber davon ausgehen, dass die Prüfungen im Bereich der Kassenführung in 2018 deutlich zunehmen werden. Betroffen sind hiervon zunächst die großen, betrugsanfälligen Bereiche der Schnellgastronomie. Dies ist leider kein Vorurteil, sondern eine gängige Erfahrung: Erst in der vergangenen Woche konnte ich die Erfahrung machen, dass sich der Wirt in der Verkaufsstelle plötzlich nicht mehr daran erinnerte, dass er eine Kasse besitzt. Der Kunde vor mir zahlte die Currywurst, der Umsatz von 2,70 € wurde im Kassensystem erfasst. Meine 2 halben Hähnchen wurden mit dem Hinweis „kostet 9 €" freundlich über die Theke gereicht, ohne die Kasse zu bedienen. Der 10-€-Schein wurde in die offene Kassenschublade gelegt, 1 € Wechselgeld zurück. Dass die Kassenschublade anschließend nicht geschlossen wurde, muss ich nicht besonders erwähnen.

Solche Vorgehensweise wird auch von Finanzbeamten registriert, die auch gelegentlich dort einkaufen. Bei der nächsten Betriebsprüfung wird der Wirt möglicherweise etwas „bekleckert“ aus der Wäsche schauen, wenn ihm seine Steuerhinterziehung vorgehalten werden wird.