Alexa und die Steuererklärung

Alexa und die Steuererklärung

Sätze wie „Alexa, spiele klassische Musik!" oder „Siri, wie wird das Wetter morgen in Neustrelitz?" hätten vor einigen Jahren noch unverständliches Kopfschütteln ausgelöst. Heute ge- hören sie zum täglichen Sprachgebrauch. Die digitalen Begleiter mit stets offenem Ohr begleiten den Alltag vieler Mitmenschen. Auch wenn niemand weiß, was letztlich mit dem unendlichen Datenvolumen geschieht, das Siri & Co. generieren, werden die stets willigen Helfer zunehmend ein- gesetzt. Verwundert mussten wir zur Kenntnis nehmen: Alexa ist jetzt auch Steuerberaterin. Natürlich ist 'sie' es nicht, die angeblich alle Fragen rund um die Steuererklärung beantwortet, sondern das Computerprogramm einer Firma aus Hannover. Diese wiederum gehört als Mehrheitsbeteiligung zu einem Verlag und Medienhaus, welches Steuerberatern Fachliteratur aber auch elektronische Datenbanksysteme anbietet. Nun ist es verständlich, dass die Kollegen ihr Fachwissen nicht nur an Steuerexperten verkaufen wollen, sondern dem Endkunden selbst und hierzu ein Medium wie Alexa wählen. Letztlich ist dieser Trend nicht mehr aufzuhalten. Auch die DATEV geht schließlich diesen Weg. Fraglich ist jedoch, welchen Einfluss das in Zukunft auf den Berufsstand hat. Ähnlich wie bei der Benutzung der vorausgefüllten Steuererklärung der Finanzverwaltung werden manche Steuerzahler glauben, dass sie auf die Hilfe eines Steuerberaters verzichten können. Doch dies sind häufig die gleichen Personen, die in der Vergangenheit im Elektronikmarkt die vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen geförderten Steuerprogramme gekauft und den Weg in eine Steuerkanzlei erst dann gefunden haben, wenn sie von der Realität eingeholt wurden und das Finanzamt den Angaben in der Steuererklärung nicht so einfach gefolgt ist. Verlierer wird bei dieser Entwicklung nicht der Berufsstand sein, sondern die Summe der Steuerzahler. Kein noch so ausgeklügeltes Programm und keine noch so schlagfertige Alexa kann jemals die fachliche Beratung in einer Steuerkanzlei ersetzen. Selbst wenn die elektronischen Helfer fast jede Frage beantworten könnten, so würde es in der Praxis schon daran scheitern, dass ein steuerlicher Laie nur selten in der Lage ist, entsprechende Fragen korrekt zu formulieren. Die Gewinner stehen jedoch schon fest: Die Finanzminister werden sich freuen, wenn in Zukunft noch mehr Steuersparmöglichkeiten ungenutzt bleiben, weil Alexa nicht die richtigen Fragen gestellt wurden oder aus Bequemlichkeit einfach die vom Finanzamt bereitgestellten Da- ten übernommen werden, ohne zu prüfen, welche individuellen Steuersparmöglichkeiten bestehen.