Umsatzsteuer: Aktive Zuordnungshandlung zum Unternehmensvermögen

Aktive Zuordnungshandlung zum Unternehmensvermögen

Mit Wirkung seit dem 31.12.2013 verlangt nunmehr auch die Finanzverwaltung, dass eine Zuordnung zum Unternehmensvermögen für gemischt genutzte Gegenstände spätestens bis zum 31.5. des Folgejahres erfolgen muss. Dies bedeutet, dass für Eingangsrechnungen, welche im laufenden Kalenderjahr 2014 für gemischt genutzte Gebäude eingegangen sind, bis zum 31.5.2015 eine wirksame Zuordnung zum Unternehmensvermögen erfolgen muss.

Beispiel:

Unternehmer U erwirbt ein unbebautes Grundstück. Darauf errichtet U seit dem ersten Quartal 2014 eine gemischt genutzte Immobilie ((1) 80%ige unternehmerische Nutzung für steuerpflichtige Ausgangsumsätze; (2) 20 %ige Privatnutzung). Die erste Eingangsrechnung erfolgt im April vom Architekten mit offenem Steuerausweis. Der gesamte Vorsteuerbetrag beträgt - vereinfacht - 100.000 €.
a) Mit Wirkung vom 1.1.2016 nutzt U das bebaute Grundstück wie geplant zu 80 % für seine unternehmerischen Zwecke.

b) Mit Wirkung vom 1.1.2018 nutzt U das gesamte Gebäude für sein Unternehmen und damit für steuerpflichtige Ausgangsumsätze.

Grundsatz: Normalerweise wird die Zuordnung zum umsatzsteuerrechtlichen Unternehmensvermögen durch den tatsächlich (zeitnah; sofort) durchgeführten Vorsteuerabzug dokumentiert und beim zuständigen Finanzamt eingereicht (sog. abgeleitete Zuordnung).

Ausnahme: Bei sog. gemischt genutzten Gebäuden, besteht für den privat genutzten (außerunternehmerischen) Gebäudeteil ein Vorsteuerabzugsverbot (§ 15 Abs. 1b UStG). Mangels durchführbarem Vorsteuerabzug kann somit auch keine abgeleitete Zuordnung zum umsatzsteuerrechtlichen Unternehmensvermögen ausgelöst werden.

Folgerung: Um diese latent bestehende Zuordnungslücke zu schließen, muss der Unternehmer bis zum 31.5. des Folgejahres, eine wirksame Zuordnung zum umsatzsteuerrechtlichen Unternehmensvermögen beim zuständigen Finanzamt einreichen. Durch diese schriftliche Zuordnungserklärung bringt der Unternehmer zweifelsfrei zum Ausdruck, wie hoch seine Zuordnungsquote zum Unternehmensvermögen ist. Erforderlich ist diese Zuordnungsquote für eine eventuell ansteigende unternehmerische Nutzung in der Zukunft, bei der der Unternehmer die Vorsteuerberichtigung, d. h. eine teilweise Erstattung noch nicht geltend gemachter Vorsteuer gegenüber dem Finanzamt in Anspruch nehmen will.

Hinweis:

Die Absicht, ein Gebäude gemischt zu nutzen und teilweise steuerpflichtig zu vermieten, reicht für die Zuordnung des Gebäudes zum Unternehmensvermögen nicht aus. Die Zuordnung bezogener Leistungen für das Unternehmen ist gegenüber dem Finanzamt zu dokumentieren.

Folgerung: Um eine maximale Vorsteuerberichtigung für die Zukunft „offen zu halten“, wenn sich die tatsächlichen Nutzungsverhältnisse verändert haben, ist es ratsam eine 100%ige Zuordnung zum umsatzsteuerrechtlichen Unternehmensvermögen gegenüber dem Finanzamt anzuzeigen (= schriftliche Zuordnungserklärung).