Gesellschafter und Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften: Bewertung von Anteilen an Kapitalgesellschaften: Basiszins für das vereinfachte Ertragswertverfahren 2015

Bewertung von Anteilen an Kapitalgesellschaften: Basiszins für das vereinfachte Ertragswertverfahren 2015

Mit der Erbschaftsteuerreform von Ende 2008 ist die Unternehmensbewertung für Zwecke der Erbschaft- und Schenkungsteuer grundlegend neu geregelt worden. An die Stelle des überkommenen „Stuttgarter Verfahrens“ ist das sog. vereinfachte Ertragswertverfahren getreten, das in der Praxis oftmals eine vergleichsweise unkomplizierte Wertermittlung erlaubt. Eine Bewertung nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren kommt insbesondere für nicht notierte Anteile an Kapitalgesellschaften, aber auch für Beteiligungen an gewerblich tätigen Personengesellschaften und Einzelunternehmen zur Anwendung.

Die Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens ist allerdings dann ausgeschlossen, wenn für den zu bewertenden Unternehmenstyp ein anderes anerkanntes, auch im gewöhnlichen Geschäftsverkehr für nicht steuerliche Zwecke übliches Verfahren – z.B. ein Multiplikatorenverfahren oder Substanzwertverfahren – einschlägig ist.

Im Rahmen der Wertermittlung nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren wird der Unternehmenswert durch Multiplikation des nachhaltig zu erzielenden Jahresertrags mit dem Kapitalisierungsfaktor ermittelt. Der Kapitalisierungsfaktor wird abgeleitet aus dem Kapitalisierungszinssatz, der sich zusammensetzt aus dem Basiszins und einem pauschalen Risikozuschlag i.H.v. 4,5 %-Punkten.

Mit dem Schreiben des BMF wurde der Basiszins für das vereinfachte Ertragswertverfahren veröffentlicht, welcher für alle Bewertungen im Jahr 2015 gilt. Der Basiszins beläuft sich auf 0,99 % und ist damit gegenüber dem Vorjahr um 1,60 Prozentpunkte gesunken.

Für die Jahre 2012 bis 2015 gelten danach folgende Zinssätze und daraus abzuleitende Kapitalisierungsfaktoren:

Zeitraum

2012

2013

2014

2015

Basiszinssatz

2,443

2,04

2,59

0,99

Kapitalisierungszinssatz

6,94

6,54

7,09

5,49

Multiplikator

14,4409

15,2905

14,1044

18,2149

Der im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunkene Zinssatz führt nun zu einem erheblichen Anstieg der Unternehmenswerte gegenüber 2014. Der Ertragswertfaktor ist insoweit von 14,1044 auf 18,2149 gestiegen.

Hinweis: Im konkreten Einzelfall einer in 2015 erforderlich werdenden Unternehmensbewertung ist das vereinfachte Ertragswertverfahren aber auch nur eine von mehreren Möglichkeiten. Der Gesetzgeber hatte es als preiswertes Modell zur Unternehmensbewertung „light“ vorgesehen. Da danach aktuell der mehr als 18-fache durchschnittliche Jahresertrag als Unternehmenswert errechnet wird, wird jeweils abzuwägen sein, ob nicht alternativ für den Einzelfall ein niedrigerer Wert im Wege eines Unternehmenswertgutachtens unter Berücksichtigung der individuellen Verhältnisse nachgewiesen werden sollte. Ein solches Unternehmenswertgutachten muss nach bestimmten Regeln erstellt sein und verursacht – im Einzelfall sehr hohe – externe Kosten.