Freiberufler und Gewerbetreibende: Tägliches Auszählen einer offenen Ladenkasse

Tägliches Auszählen einer offenen Ladenkasse

Streitfrage: Muss bei einer offenen Ladenkasse ein Zählprotokoll geführt werden?

Im Rahmen einer Betriebsprüfung bildet das Thema „Kasse“ immer einen Schwerpunkt. In der Vergangenheit hat sich der BFH zu den Folgen einer fehlenden Dokumentation über das Auszählen einer offenen Ladenkasse lediglich einmal geäußert. Hiernach wurde im Hinblick auf die Beurteilung der formellen Ordnungsmäßigkeit der Buchführung und der Eröffnung der Schätzungsbefugnis das Fehlen täglicher Protokolle über das Auszählen einer offenen Ladenkasse dem Fehlen von Tagesendsummen-Bons bei einer elektronischen Registrierkasse gleichgestellt.

Da an die formelle Ordnungsmäßigkeit einer offenen Ladenkasse regelmäßig hohe Erwartungen gestellt werden, musste man daher bislang davon ausgehen, dass das Fehlen von Zählprotokollen bei einer offenen Ladenkasse, einen groben formellen Mangel darstellt.

Der X. Senat des BFH nimmt nun eine Klarstellung zu seiner o. g. Rechtsprechung vor und führt aus, dass ein Zählprotokoll, in dem die genaue Stückzahl der vorhandenen Geldscheine und -münzen aufgelistet wird, auch beim Führen einer offenen Ladenkasse, nicht erforderlich ist. Ausreichend ist ein Kassenbericht, der auf Grundlage eines tatsächlichen Auszählens erstellt worden ist. Es ist folglich nur der Tages-Bargeldbestand als Summe aufzuzeichnen.

Praxishinweise

  1. Die Ausführungen bezüglich der Bedeutung eines Zählprotokolls, stellen bislang lediglich Hinweise für das FG im zweiten Rechtsgang dar, welche keine Bindungswirkung haben. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Finanzgericht die Hinweise übernimmt.
  2. Das händische Zählen und Festhalten des Kassenistbestandes am Ende eines jeden Geschäftstages ist - unabhängig vom o. g. Besprechungsurteil - weiterhin unerlässlich.
  3. Vermutung bislang, dass Zählprotokolle bei einer offenen Ladenkasse erforderlich sind.
  4. Auf Grundlage eines tatsächlichen Auszählens erstellte Kassenberichte reichen aus
  5. Lediglich auf die Angaben bezüglich der Zusammensetzung der Scheine und Münzen kann künftig verzichtet werden.